Festempfang
Zum Festempfang anlässlich seines einhundertsten Geburtstages erwartet der Heimat- und Kulturverein Lorsch e.V. am Freitag, den 3. Juli 2026 um 19 Uhr, 120 geladene Gäste. Gefeiert wird im Museumszentrum in Lorsch, wo der Verein sein Tabakmuseum betreibt. Die Grußworte und der Vortrag werden zuvor im Paul-Schnitzer-Saal gehalten.
Erwartet werden neben Staatsminister Dr. Michael Meister, Landrat Christian Engelhardt und Bürgermeister Christian Schönung viele weitere Ehrengäste, sowie Freunde und Förderer des Vereins aus der Stadt und der Region. Der Vorsitzende Thilo Figaj wird den Festvortrag halten und das Kammermusikduo Petra Weis (Piano) und Sorin-Dan Capatina (Violine) für die musikalische Unterhaltung sorgen.
Die Tätigkeitsfelder des Vereins und seine zahlreichen Arbeitsgruppen rund um Gärten, Tabakprojekt, Ausstellungen und Museen sind so vielfältig und breit gestreut, dass für einen Vortrag bewusst nur ein Thema gewählt wurde: das Lorscher Kloster.
Seine Geschichte und Erforschung war der Anlass zur Gründung eines Heimatvereins durch siebzehn Bürger im Jahre 1926. Frauen waren bei der ersten Versammlung nicht anwesend, einige interessierte Bürgerinnen traten aber rasch dem Verein bei. Aus einem Kreis der den Bürgermeister, den Pfarrer, den Apotheker, den Amtsgerichtsassessor, den Sparkassenrechner, einen Zigarrenfabrikanten, einen Architekten, einen Kirchenhistoriker und mehrere Lehrer einschloss, konstituierte sich der Vorstand aus den Honoratioren des Ortes. Schon nach einem Jahr zählte man über 300 Mitglieder und gab mit den Heimatblättern monatlich eine tief recherchierte und beeindruckende Aufsatzsammlung zu historischen Themen heraus.
Der Wunsch nach Aufstellung eines Ehrenmals für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges auf dem Platz zwischen Kirchenrest und der Michaelskapelle (der Torhalle), war nicht ohne die Zustimmung der Denkmalpflege des Volksstaates Hessen zu verwirklichen. Das Gelände, das die Gemeinde damals vom Staatsforst in Pacht hatte, sollte deshalb vor der Aufstellung eines Denkmals „durchgegraben“ werden, wie es in den Protokollen des Vereins heißt. Und so nahm man Kontakt mit den zuständigen Stellen in Mainz und Darmstadt auf. LORSCH e.V.


In den folgenden Jahren kam es zu einer systematischen archäologischen Untersuchung mit drei Grabungskampagnen unter der Leitung von Friedrich Behn, damals Kustos am Römisch- Germanischen Zentral Museum in Mainz und für Lorsch zuständiger Denkmalpfleger. Im Vortrag von Thilo Figaj wird dargelegt, in welchem Maße der Heimatverein und die Gemeinde selbst die Grabungen finanziell und mit Eigenleistungen gefördert haben. In den Niederschriften des Vereinsbuchs sind die Abmachungen zwischen Verein, Gemeinde und der Denkmalpflege festgehalten, deren Durchführungen halfen, die historische Sicht auf das Kloster neu zu definieren, das Gelände für den Rest des 20. Jahrhunderts prägten, und 1934 zur Öffnung der Michaelskapelle führten, um die Torhalle zu zeigen, wie wir sie heute kennen.
Dies alles fand in einer politisch unruhigen Zeit statt, was man bei der Betrachtung der Ereignisse nicht ausblenden kann. Bereits 1929 war es in Lorsch zu einem reichsweit beachteten Ereignis gekommen, in dessen Folge das Bistum Mainz – mit Segen des Vatikans – die aufstrebenden Nationalsozialisten, wenn sie uniformiert oder als Formation auftraten, von den Kirchensakramenten ausschloss. Der ab 1930 bis 1933 durch die entschiedene Haltung des Mainzer Bischofs gegenüber dem Nationalsozialismus entstehende gesellschaftliche Riss ging durch alle Gemeinden, mitten durch Familien und auch durch den Verein.
Das Protokollbuch des Vereins war nach 1939 verschollen. Nur dank der Aufmerksamkeit der Lorscher Feuerwehr, die es 2020 im eingesammelten Altpapier fand, können wir heute die Gründungsgeschichte unseres Vereins bis in die Zeit des Kriegsbeginns nachvollziehen.
Auch nach dem Krieg, und nach der von den Alliierten veranlassten Neugründung, in der der Verein seine Betätigungsfelder schließlich weit ausdehnte, war die Befassung mit der Klostergeschichte immer ein Hauptanliegen seiner Vorsitzenden und Mitglieder. Auf Initiativen des HKV kam es 1964 zu einer Handschriftenausstellung im Rahmen der 1200-Jahr-Feier der Stadt, das Kloster Altenmünster an der Weschnitz wurde sichtbar gemacht, und am ehemaligen Frauenkloster Hagen wurde ein Gedenkort eingerichtet. Für die Veröffentlichung der Übersetzung des Lorscher Codex (durch Vereinsmitglied und Klosterführer Karl Josef Minst) gründeten Heinrich Diehl und andere Mitglieder den Verlag Laurissa, der noch heute existiert.
Die Benediktinerstatue auf dem gleichnamigen Platz ist eine Initiative des langjährigen Vorsitzenden Paul Schnitzer, dessen unbestreitbar größter Verdienst es war, mit der erfolgreichen Aktion „Rettet die Königshalle jetzt“, 1984 den Durchgangsverkehr aus der Stadt endgültig zu verbannen und der damit einen entscheidenden Beitrag zur Sicherung des historisch-baulichen Erbes und letztlich zur Realisierung der Welterbe Anerkennung leistete. Sichtbare Zeichen der Verbundenheit des Vereins mit dem Kloster sind der Kräutergarten auf dem Klostergelände und der Pfingstrosengarten an der Evangelischen Kirche, dessen Ursprünge ebenfalls auf den Heimatverein zurückgehen.
Der Verein war und ist immer auch ein Serviceverein der früheren Gemeinde und heutigen Stadt Lorsch. Der Vorstand dankt in der Rückschau anlässlich unseres Festjahres allen Unterstützern und Freunden, und den zahlreichen Personen im Ehrenamt, die sich mit dem Verein in den Bürgerprojekten der Stadt engagieren. Ohne sie wäre eine Zukunft des Heimatvereins nur schwer vorstellbar.