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Über das Verlangen, Text zum Bild werden zu lassen

Kalligraphie-Ausstellung im Museumszentrum

„Wenn Dichtung die Gefühle des Herzens nicht mehr auszudrücken vermag, fließen sie in Kalligraphie über und werden in Bilder verwandelt.“ So poetisch erklärt der Musiker, Maler, Lyriker und Kalligraph Zhao Mengfu (1254 – 1322) die Kalligraphie, eine Kunst, wie sie in Asien sicherlich einen immer noch höheren Stellenwert genießt als in der westlichen Welt. Jetzt widmet sich eine Ausstellung im Museumszentrum der Kalligraphie. Unter dem Titel „Text – Schrift – Bild“ zeigt der Schriftkünstler Gottfried Pott, was ihn an dem Sujet des „schönen Schreibens“ (griech. kallos und graphein) lebenslang fasziniert hat.

Der 1939 geborene studierte Grafik-Designer und emeretierte Professor vermittelt in großen originalen Bildtafeln die für ihn unerschöpfliche Dimension künstlerischer Schrift: „Wenn die Feder das Papier berührt, ergreift mich ein nicht zu stillendes Verlangen, dem Buchstaben Form zu geben, den Text zum Bild werden zu lassen.“ Er referiert dabei auf „unsere zweitausendjährige Schriftentwicklung“. Wie sich der Text über die Schrift zum Bild entwickelt, dieser kreative Prozess, hat sich durch eine für ihn nicht endende Faszination zu seinem künstlerischen Lebensthema entwickelt.

Die Schriftreform Karls des Großen und damit die Durchsetzung der karolingischen Minuskel als Grundstein der Einheitlichkeit unserer Gebrauchs- und Buchschrift, ist bis heute eine Inspiration für den Schriftkünstler: „Die karolingische Reform beeinflusst unsere Schrift bis heute“, ist er überzeugt und deshalb besonders glücklich, mit Lorsch den „Genius loci“ für seine Ausstellung gefunden zu haben.

Über den Ort der einstigen Reichsabtei Karls des Großen mit ihrem überaus effizienten Skriptorium sagte er: „Seit Jahren fesselt mich die Aura und die kunsthistorische Bedeutung dieses Ortes.“ 1992 entwickelte er eine digitalisierte Version der karolingischen Minuskel als Type-Design, die Schrift „Carolina“.

Die Ausstellung will die Dimension der kalligrafischen Interpretationen aufzeigen und sowohl die Bedeutung als auch das bildnerische Vermögen des Handschriftlichen vor Augen führen. Die gezeigten, großformatigen Arbeiten vermitteln darüber hinaus einen aktuellen Überblick über das Schaffen des Schriftkünstlers Gottfried Pott und geben einen Einblick in die handwerklichen Prozesse und Alltäglichkeiten seines Schaffens.

Die Ausstellung „Text – Schrift – Bild. Kalligraphische Interpretationen von Gottfried Pott“ findet vom 22. Mai bis zum 03. Juli im Museumszentrum Lorsch (Nibelungenstraße 35; DI bis SO, 10 – 17 Uhr) statt. Vernissage: 22. Mai, 11.30 Uhr. Finissage, 03. Juli, 11.30 Uhr. Am 12. Juni um 11.30 hält der Künstler einen Vortrag zu seinen Arbeiten in der Ausstellung.

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