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Saisoneröffnung im Schaudepot Zehntscheune

„Fund des Monats“: der Lorscher Dorestad-Denar

Termine

So, 01.03.2020 - Mo, 02.03.2020

LORSCH.  Zur Saisoneröffnung des Schaudepots Zehntscheune 2020  führt die Schlösserverwaltung eine wertvolle Münze aus dem 9. Jahrhundert vor: den Dorestad-Denar. Es ist der erste „Fund des Monats“, ein neues Format im Jahresprogramm der UNESCO Welterbestätte. Als „Fund des Monats“ wird bis Oktober monatlich ein anderes herausragendes Ausgrabungsstück des Kloster Lorsch ins Scheinwerferlicht der Präsentation in der Zehntscheune gerückt. Diese Objekte sollen aufmerksam machen auf die Vielzahl der Funde aus zwei Jahrtausenden Geschichte auf dem Lorscher Klosterhügel.  Auch neu ist ab diesem Jahr: Wegen des großen Interesses ist das Schaudepot Zehntscheune ab 2020 von März bis einschließlich Oktober an allen Sonn- und Feiertagen ohne Führung (für 1 €) für jedermann von 10 – 17 Uhr frei zugänglich, erstmals am Sonntag, dem 1. März.

Bei dem Dorestad-Denar handelt es sich um eine karolingische Silbermünze, die so etwas wie der Euro des Frühmittelalters war. Der Denar hat zwei Zentimeter Durchmesser, wiegt 1,7 Gramm und ist um 820 in der Münzprägestätte von Dorestad entstanden. Nach den Worten von Dr. Hermann Schefers, dem Leiter der Welterbestätte, stellt er „ein historisches Schwergewicht“ dar. Der Denar entspricht den Vorgaben, die Karl der Große im Jahr 794 anlässlich der Frankfurter Synode veröffentlicht hatte. Die Vorderseite zeigt ein Kreuz und den Namen Kaiser Ludwigs des Frommen, auf der Rückseite prangt der Name des Prägeortes: DORESTATUS. Die Silbermünze beherrschte den Handel Mitteleuropas, war aber auch darüber hinaus gern gesehen. Sein Wert lässt sich Dr. Schefers zufolge nur sehr schwer angeben: Der Silberwert liege gegenwärtig bei 85 Cent. Um 800 jedoch konnten Menschen für einen Denar 78 Liter Hafer kaufen, wofür man heute 6,17 Euro anlegen müsste oder auch knapp 10 kg Brot im Gegenwert, im heutigen Gegenwert von rund 28 Euro.

Den Ort Dorestad gibt es heute nicht mehr. Aber die heutig niederländische Gemeinde Wijk bij Duurstede überliefert den Namen der im 9. Jahrhundert nach Wikingerüberfällen und einem verheerenden Rheinhochwasser untergegangenen und erst 1925 wiedergefundenen Handelssiedlung. Sie zog sich entlang des Lek, einer der vielen Arme des Rheinmündungsdeltas, und bot viel Platz für Handelsschiffe, die aus den Rheinlanden Wein und Getreide, aus dem Norden vor allem Pelze anlieferten. Ein fränkisches Kastell sicherte die Siedlung und dort müsse man die Münzstätte annehmen, die den Denar prägte.

Wie kam die Münze nach Lorsch? Dr. Schefers: „Die Erklärung ist einfacher als man denkt. Denn genau auf der anderen Seite des Lek, in Sichtweite von Dorestad, liegt die heutige Gemeinde Rijswijk, Ortsteil von Buren. Um 800 hieß der Ort noch Riswich und gehörte – dem Kloster Lorsch! Die Abtei des Heiligen Nazarius war reich begütert im heute niederländischen und deutschen Gelderland und profitierte natürlich vom Handel und von der Schifffahrt. So manch ein Fässchen guten Bergsträßer Weines mag damals den Rhein hinab den Weg zu fernen Absatzmärkten gefunden haben, aber auch andere Produkte, auch solche, die im Kloster Lorsch selbst entstanden sein können. Das Kloster hingegen bezog das begehrte Siedesalz aus der dortigen Region oder auch Rinderhäute, für die, soweit es sich um das begehrte Kalbspergament für die Klosterschreibstube handelte, gutes Geld bezahlt wurde.“

Ticket

1 Euro

Ort

Schaudepot Zehntscheune
(auf dem Klosterhügel)
Nibelungenstraße 32
64653 Lorsch

Öffnungszeiten

Sonntage  und Feiertage 10 – 17 Uhr

Vorschau: Am 15. März, zur Saisoneröffnung  des Freilichtlabor Lauresham 2020 wird der Dorestad Denar  in einer Replik als „Lauresham-Währung“  zu erhalten sein. Fortan  gilt für den frühmittelalterlichen Herrenhof an den Thementagen  eine eigene Währung. Am 15. März können sich Gäste ihren eignen Denar an der Lauresham-Schmiede sogar selbst schlagen. Ein Denar hat in Lauresham den Gegenwert von 1 Euro, sie sind an der Museumkasse erwerblich.

 

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