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„Ein unerwarteter Vertragsbruch“

Bürgermeister und EGL-Geschäftsführer zur Neubau-Absage der Schön Klinik in Lorsch

„Angesichts der zahlreichen vertraglich geschlossenen Verpflichtungen bezüglich des Neubaus der Schön Klinik herrscht auf unsere Seite absolutes Unverständnis darüber, dass diese nun von der Leitung der Schön Klink gebrochen werden“, sind sich der Geschäftsführer der Entwicklungsgesellschaft Lorsch, Matthias Herbener und Lorschs Bürgermeister Christian Schönung einig. Herbener weiter: „Die EGL als Vertragspartnerin der Klinik und die Gremien der Stadt haben alles in einem einmalig schnellen Verfahren abgewickelt und auf die Wünsche der Schön-Klinik hin maßgeschneidert. Von unserer Seite wurden alle vertraglichen Verpflichtungen voll erfüllt.“

V. li.: Matthias Herbener, Christian Schönung Bild: Stadt Lorsch

Letztendlich unerwartet kam deshalb für beide die Absage des seit 2014 geplanten Neubaus der orthopädischen Fachklinik am südlichen Stadtrand von Lorsch. Die Inbetriebnahme der neuen Schön Klinik war ursprünglich Januar 2021 terminiert. „Noch bis tief in den Dezember 2019 hinein wurden seitens der EGL weitere Perspektiven in engster Abstimmung mit der Klinik entwickelt“, fährt Schönung fort. Die Bebauungspläne sowohl für das Klinikareal als auch für das durch einen Umzug der Fachklinik entstehende neue Innenstadtviertel St. Joseph wurden von der EGL dementsprechend beauftragt und gezahlt. Noch in der letzten Stadtverordnetenversammlung war der Bebauungsplan für St. Joseph beschlossen worden.

Die Verantwortlichen in Lorsch sind mehr als verwundert über den Strategiewechsel der Klinik: „Jahrelang sprach man davon, dass der alte Klinikstandort nicht mehr wirtschaftlich betrieben werden kann. Nun ist die Rede davon, dass genau dieser aus Gründen der Wirtschaftlichkeit modernisiert werden soll.“

Als Gründe für deren Rückzug gibt die Klinikleitung unerwartet hohe Baukosten beim Neubau an, aber auch etwa die Folgen der Corona-Pandemie. Zumindest Letzteres lassen weder der Bürgermeister noch der EGL-Geschäftsführer gelten: „Eine kaputte Hüfte wird man – wenn auch später – immer operieren lassen. Das ist nichts, auf das man – wie etwa auf den Kauf eines Neuwagens – einfach verzichtet. Zudem ist beispielsweise die Höhe der Entschädigungssummen gegenüber Kliniken noch nicht geklärt, die das Bundesministerium für Gesundheit leisten wird“, so Lorschs Bürgermeister Christian Schönung. „Einen Zusammenhang der Konzernentscheidung mit den kurzfristigeren Auswirkungen der Corona-Pandemie kann ich nicht erkennen“, sagt auch Geschäftsführer Matthias Herbener. „Ich stelle für mich fest, dass der Umzug der Konzernzentrale an den Flughafen München von der Schön Klinik als wichtiger angesehen wird als die Erfüllung der vertraglichen Verpflichtungen in Lorsch und vor allem auch wichtiger als das medizinische Angebot einer modernen Klinik in unserer Region.“

Der Vertragsbruch der Schön Klinik zieht für die EGL nun vielerlei nach sich. „Zum einen müssen die vielfältigen vertraglichen Verpflichtungen entflochten werden“, so Matthias Herbener. Dann geht es um die Entwicklungspläne der Stadt Lorsch. Für das insgesamt über zwei Hektar große Areal im Süden Lorschs liegt dabei eine zweckgebundene Nutzung fest. Und: „Ohne die EGL ist hier keine Weiterentwicklung möglich“, stellt Matthias Herbener fest. Die nächste Frage dreht sich um die geplante Neuerrichtung eines modernen Wohnquartiers mit einhundert Wohneinheiten zwischen Waldstraße und Wilhelm-Leuschner-Straße. „Hier geht nicht nur um Konzerninteressen sondern auch vor allem um die berechtigten Interessen der Bürgerinnen und Bürger und die Ziele der Stadtentwicklung.“

„Der finanzielle Schaden, der im Übrigen nicht die Stadt Lorsch sondern die EGL trifft, ist noch nicht zu beziffern“, so der EGL-Geschäftsführer. Fest steht, dass die 180-Grad-Wende der Fachklinik das Hauptthema der nächsten EGL-Aufsichtsratssitzung Anfang Juli sein wird.

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