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Schönheit und Mystik

Ein Garten, ein Fest und eine Ausstellung rund um die Päonie

Dass man dem Himmel nicht in die Wolken regieren kann, haben die Initiator-innen rund um den Lehr- und Schaugarten zur Pfingstrose im südhessischen Lorsch eingesehen: Die Blütezeit der verschwenderischen Superblüher ist zwischen Anfang April und Anfang Juni. Und am schönsten ist und bleibt die duftende Pracht im Wonnemonat Mai. Deshalb feiert man die dortigen Päonien-tage seit letztem Jahr zusammen mit dem örtlichen Frühlingsmarkt und Bienen- und Dichterfest, in diesem Jahr am 18. und 19. Mai. „Dann kann man sich wahr-haft nicht sattsehen an der überbordenden Fülle der Blüten der über 160 Arten und Sorten, die wir hier angepflanzt haben“, so Petra Raulin, die das gärtnerische Sagen bei dem vierköpfigen Team hat.

Unterhalb und rings um die zierliche Sandsteinkirche der evangelischen Ge-meinde ist auf deren Gelände somit ein richtiges Paradiesgärtlein entstanden. Malerisch staffeln sich die Beete den Hang gegenüber des UNESCO-Welterbes hoch und auch vom Hügel der einstigen Reichsabtei Karls des Großen ist der Anblick dann berauschend. An den Päonientagen gibt es Führungen im Garten. „Und natürlich verkaufen wir Pfingstrosen“, freut sich Heike Gärtner-Deinl, die auch als Stadtführerin arbeitet. Darunter sind zahlreiche Ableger aus dem Lorscher Garten aber auch Pflanzen, die die Frauen von namhaften Pfingst-rosenzüchtern wie dem Alzeyer Volker Emrich oder Michael Miely aus Österreich besorgt haben. „Wir möchten gerne die Vielfalt dieser wundervollen Pracht-staude zeigen – im Garten und in unserem Angebot“, so das Garten-Team. „Wie im Garten sollen Baum- uns Strauchpäonien vorhanden sein, seltene Sorten, wie man sie eben ansonsten nur beim Züchter oder Spezialisten bekommt.“

Musik wird es geben, im Garten selbst und am Sonntagabend mittendrin, in der Kirche. Und es wird eine Ausstellung eröffnet werden. „Päonie. Vergängliche Schönheit – mystische Kraft“ lautet der Titel. Die Ausstellung versammelt im neben dem Garten gelegenen Museumszentrum die Arbeiten von fünf Künstler-Innen zum Thema. Es sind dies Stefanie Denz, der Bildhauer Lilau, Ursula Schlosser, Beate Schnabel und Susanne Zimmer. Dabei interessiert weniger die botanische Befassung oder medizinische Heilkraft der Pfingstrose, vielmehr deren Mythen und mystische Umschreibungen. Am Anfang steht der zornige Fluch des Äskulap, der Paeon aus Eifersucht auf dessen Heilkunst trifft. Die christliche Religion vereinnahmt die Päonie hingegen als „Madonnenrose“, weil sie wie eine Rose blüht, ohne Dornen zu haben. Fürderhin wird sie auch „brave Rose“ genannt, was insbesondere den Widerspruch und die Fantasie der zeit-genössischen Künstlerinnen reizt. „Dagegen stehen die üppigen Blüten, die barocke Erscheinung von hoher Strahlkraft, empfangend, sich öffnend, duftend, betörend. Keineswegs brav“, so die Malerin und Koordinatorin der Ausstellung Ursula Schlosser.

Am 18. und 19. Mai sollten also sowohl Päonienexpertinnen als auch Garten-liebhaber, Kunstkennerinnen wie Musikfreunde Grund zu und Freude an einem Besuch der an der Bergstraße gelegenen Stadt haben, die neben einem früh-mittelalterlichen UNESCO Welterbe noch manch anderes zu bieten hat. Zum Beispiel einen traumhaften Pfingstrosengarten … Und wer kann, sollte ein paar Tage danach noch einmal kommen: Am 24. Mai um 19 Uhr hält der Leiter des Schau- und Sichtungsgartens Hermannshof Weinheim, der Landschaftsarchitekt und Staudengärtnermeister Prof. Cassian Schmidt in der Ausstellung einen Vortrag, der sich der Pfingstrose widmet.

- Pfingstrosentage 18. und 19. Mai, SA+SO je 11–18 Uhr, Nibelungenstraße 25, zu Füs-sen der evangelischen Pfarr-kirche, 64653 Lorsch

- Führungen: SA, 18. Mai um 15 Uhr, SO, 19. Mai um 14 und 16 Uhr

- AusstellungPäonie. Ver-gängliche Schönheit –
mystische Kraft
“ SA+SO 10–17 Uhr (Eröffnung: FR, 17. Mai, 19 Uhr), Museums-zentrum, Nibelungenstraße 35; Dauer der Ausstellung: bis 30. Juni 2019

- Konzert „Blumengesang“: SO, 19. Mai um 17 Uhr in der evangelischen Pfarrkirche, Nibe-lungenstraße 25

- Sonderveranstaltung in der Ausstellung am 24. Mai, 19 Uhr: Der Leiter des Schau- und Sichtungsgartens Hermanns-hof Weinheim, Landschafts-architekt und Staudengärtner-meister Prof. Cassian Schmidt hält in der Ausstellung einen Vortrag zur Päonie