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UNESCO Weltkulturerbe Kloster Lorsch

Vor zwei Jahren hat die ungewöhnliche Gelände-Umgestaltung des UNESCO-Weltkulturerbes Kloster Lorsch vom European Garden Heritage Network (EGHN) den ersten Preis in der Kategorie ‚Innovatives Konzept oder Design eines zeitgenössischen Parks oder Gartens‘ erhalten. Zu diesem Zeitpunkt trat Lorsch als Fachgebiet der Verwaltung der Schlösser und Gärten (VSG) in das Europäische Gartennetzwerk ein. Am Freitag, 24. August 2018, haben Vertreter der EGHN eine Plakette als sichtbares Zeichen dieser neuen Mitgliedschaft übergeben.

Zugleich möchte das EGHN, vertreten von seinem Präsidenten Jens Spanjer so-wie der Vizepräsidentin Roswitha Arnold, nochmals auf Kloster Lorsch als Ge-winner des prestigeträchtigen European Garden Award aufmerksam machen. Nachdem die Anlage des UNESCO Weltkulturerbe Kloster Lorsch 2015 schon den Deutschen Landschaftsarchitekturpreis erhalten hatte, war der europäische Gartenpreis eine weitere herausragende Auszeichnung für die Überformung des Welterbe-Areals.

Das Gartennetzwerk würdigte, in welcher Weise der ausgeführte Entwurf der Berliner Landschaftsarchitekten von TOPOTEK 1 die Bauhistorie der heute nicht mehr vorhandenen Gebäude in Form von „footprints“ am Boden sichtbar machte. Damit wird dieser Aspekt der Geschichte des Klosters als Andeutung lesbar.

Nach den Worten der Direktorin der Verwaltung der Schlösser und Gärten, Kirsten Worms, hat war es richtig, an dem Konzept für den im Jahr 2015 abge-schlossenen Umwandlungsprozess festzuhalten: „Wir können stolz behaupten, dass es sich gelohnt hat. Indem verschwundene Bauten in Form von Abdrücken auf dem Terrain hinterlassen wurden, bietet sich den Besuchern nun eine Art szenographischer Nacherzählung der Vergangenheit an.“

Nach der feierlichen Übergabe wurde die Plakette am Kurfürstlichen Haus ange-bracht. Im Anschluss fand um 16:00 Uhr eine Gartenführung durch Dr. Inken Formann (Fachgebiet Gärten der VSG) statt, die den Siegerentwurf und die aufwändige Pflegepraxis für das bestmögliche Besuchserlebnis erläuterte. Im Gegensatz zu anderen Parkanlagen der VSG ist es in Lorsch ausdrücklich erwünscht, Rasenflächen zu betreten.

Das EGHN ist eine 2003 gegründete europäische Vereinigung mit über 160 öffentlichen Parks und Gärten. Den European Garden Award lobte das Netzwerk erstmals 2010 in verschiedenen Sparten aus. Die Lorscher Klosteranlage war für das Jahr 2016 unter rund 80 Vorschlägen nominiert. Den zweiten und dritten Platz belegten Gestaltungen in Schweden und Spanien. Bisher sind erst drei deutsche Gartenanlagen oder Parks als Sieger dieses europaweiten Wettbewerbs hervorgegangen.

Weitere Informationen:

Elisabeth Weymann
Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten
Öffentlichkeitsarbeit
0174 / 2716125
elisabeth.weymann@schloesser.hessen.de

Gabi Dewald
Leitung / Kultur- und Tourismusamt
Magistrat der Stadt Lorsch
06251 / 59 67-501
kultour@lorsch.de

Silke Günnewig
UNESCO Welterbe Kloster Lorsch
Pressebüro
0228 / 184967-24
guennewig@projekt2508.de


Preis-Begründung der EGHN:

INNOVATIVES KONZEPT ODER DESIGN EINES ZEITGENÖSSISCHEN PARKS ODER GARTENS

Die Benediktinerabtei im südhessischen Lorsch wurde schon 1557 als Kloster aufgehoben. Obwohl die alte Substanz weitgehend verlorenen gegangen ist, wurde Kloster Lorsch 1991 als Weltkulturerbe anerkannt, nicht zuletzt auch wegen der Torhalle als einem der letzten karolingischen Bauwerke und Zeugnisse der nachrömischen Zeit östlich des Rheins. Die noch vorhandenen Relikte hervorzuheben, Spuren nachzuzeichnen und behutsam neue Strukturen zu er-gänzen, damit die Geschichte und Bedeutung des Ortes und sein Bezug zur Kulturlandschaft wieder erkennbar und erlebbar werden, waren Ziele der land-schaftsarchitektonischen Neugestaltung.

Schon bei der Annäherung erhält der Besucher mit dem freigestellten Blick auf die Klostermauern mit dem höherliegenden Klostergelände einen Eindruck von Umfang und Struktur der Anlage. Mehr über den Zusammenhang zwischen Kloster und seiner umgebenden Kulturlandschaft erfahren sie, wenn sie dabei dem „Weg der Natur“ oder dem „Weg der Kultur“ folgen.

Innerhalb der Klostermauern sind die ehemaligen Gebäude (Klosterkirche, um-bauter Vorhof, Klausur mit Kreuzgang) und ihre Konstellation zueinander durch leichte topografische Veränderungen, meist exakt geböschte Vertiefungen, er-kennbar. Die verschwunden Gebäude haben in dem satten Grün quasi ihre Abdrücke hinterlassen. Auf die Torhalle führt ein Wechsel aus Rasen- und Pflaster-flächen zu, eine schiefe Ebene, die so wie eine Treppe mit überbreiten Stufen wirkt.

Der Kräutergarten hinter der noch vorhandenen Zehntscheune ist ein neues Element, für das zwar die historischen Belege fehlen, dessen Bepflanzung aber auf dem „Lorscher Arzneibuch“ aufbaut, das um 800 n. Chr. geschrieben und 2013 in das UNESCO-Register des Dokumentenerbes aufgenommen wurde. Im Garten finden sich viele der dort erwähnten Pflanzen wieder. Mit zahlreichen Trockenmauern schmiegt er sich terrassenförmig an einen kleinen Hang. Mit seiner Blüten- und Farbenfülle und den umgrenzenden (Obst)Bäumen ist er ein Besuchermagnet. Seine Kleinteiligkeit ist ein starker Kontrast zum Gesamtbild der Anlage und so verwundert es nicht, dass der Kräutergarten hinter der Zehntscheune etwas „versteckt“ wirkt.

Geleitet werden die Besucher hier wie im gesamten Gelände von einer Wegestruktur, die wie Bänder auf die Strukturen gelegt wurde und deren Enden bzw. Biegungen nicht „nahtlos“ ineinander übergehen, sondern überlappen und wie eine Art Weiche wirken.

Die Jury des Europäischen Gartenpreises schließt sich dem Urteil der Jury des Deutschen Landschaftsarchitektur-Preises an, die Kloster Lorsch 2015 mit dem ersten Preis geehrt hat: „Bauten, Topographie und Vegetation verbinden sich kreativ wie sensibel zu einem sehr vielgestaltigen „Ort des Wissens“, der nun auch ganz unaufgeregt zu sehr sympathisch individuellen Entdeckungen der historisch wechselnden Grenzen von Natur und Kultur einlädt.“

Quelle: https://wp.eghn.org/de/europaeischer-gartenpreis/egp-2016/