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STADT UND BÜRGERbüro

 

Ministerielle Bedenken

Vorerst keine Aufnahme des islamischen Gelehrtendorfes ins Internationale Klosternetzwerk

Vor vierzehn Jahren war er in Lorsch „erfunden“ worden: Der Welterbetag, der seither stets am ersten Sonntag im Monat Juni und mittlerweile deutschlandweit gefeiert wird. Doch während Aachen, die einst bevorzugte Residenz Karls des Großen, dieses Jahr zur Zentralveranstaltung eingeladen hat, wird in dessen ehe-maligem Reichskloster, der heutigen UNESCO Welterbestätte Kloster Lorsch, 2018 keine Veranstaltung stattfinden.

Dabei war Großes geplant. Denn das – ebenfalls in Lorsch ersonnene und erst-malig umgesetzte - „Global Monastic Network“ sollte um einen afrikanischen Partner erweitert werden. Nach dem armenisch-apostolischen Kloster Geghard in Armenien, dem benediktinischen Kloster Müstair in der Schweiz und dem budd-histischen Tempel Haein-Sa in Süd-Korea, sollte als assoziierter Partner das is-lamische Gelehrtendorf Bantignel in West-Guinea dazukommen. „Hierbei geht es darum, ein positives Zeichen in einer vom Islamismus bedrohten Region zu setzen und darum, einen historischen Ort zu würdigen, der Bildung gegen Fana-tismus setzt“, erklärte der Welterbestättenleiter, Dr. Hermann Schefers, diesen Schritt. Wohl kennt der Islam keine Klöster im eigentlichen Sinne. Doch Bantignel, das der Lorscher Welterbestätte seit über zehn Jahren freundschaftlich verbunden ist, vertritt mit seiner religiös geprägten kulturellen Bildung seit mehreren Jahrhunderten klösterliche Anliegen.

Obwohl das Vorhaben schon weit fortgeschritten war, konnte sich das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst als übergeordnete Behörde letztlich nicht dazu durchringen, dem Vorhaben „mit internationaler Dimension“ für dieses Jahr grünes Licht zu geben. In einem aktuellen Schreiben verweist Boris Rhein als zuständiger Minister darauf, dass das „in Rede stehende islamische Gelehrtendorf Bantignel (…) bisher nicht in die Liste der UNESCO Welterbe-stätten aufgenommen wurde“. Das Ministerium sieht deshalb weiteren Klärungs-bedarf.

Die Vorsitzende des Kuratoriums UNESCO Welterbe Kloster Lorsch, Dr. Dorothea Redeker, bedauert die kurzfristige Absage aus Wiesbaden. Dem Kuratorium ist das Klosternetzwerk und dessen Erweiterung von jeher zentrales Anliegen. Redeker sieht jedoch in dem Schreiben aus Wiesbaden „einen klaren An-knüpfungspunkt mit dem Minister zu sprechen, denn es enthält ein Bekenntnis zum internationalen Standort Kloster Lorsch“. Bedauern auch von Bürgermeister Schönung, der die Stadt als zweite Welterbeeignerin neben dem Land vertritt: „Gerade in der jetzigen weltpolitischen Situation wäre es ein sinnfälliger und mutiger Schritt, ein Zeichen für ein Miteinander der großen Weltreligionen zu setzen und damit an das wirklich großartige Erbe des Kloster Lorsch anzu-knüpfen.“

Doch für dieses Jahr, so sind sich die Organisatoren einig, wird der Welterbetag entfallen: „So ein hochstehendes Ereignis kann man nicht kurzfristig ersetzen.“ Doch ebenso herrscht Einigkeit unter den Beteiligten, gemeinsam mit dem Ministerium an der Umsetzung des Vorhabens im nächsten Jahr zu arbeiten und „auf das Verständnis unserer afrikanischen Freunde zu hoffen.“

Der Welterbetag geht auf eine Idee des Lorscher Welterbestättenleiters Dr.  Hermann Schefers zurück. Seit 2005 dient der Tag an den mittlerweile 42 deutschen Weltkultur und -naturerben der lebendigen Vermittlung und Identifi-kation der Bevölkerung mit ihrer UNESCO Welterbestätte. Der 14. Welterbetag findet deutschlandweit am 3. Juni 2018 statt.