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Rote Erde, hohe Palmen

Lorscher Tabakpflanzer arbeiten auf kubanischen Tabakfeldern

„Ay, Marinero“, ruft der kubanische Bauer seinem Ochsengespann aufmunternd zu, um ein „Buon! Buon!“ hinterher zu schicken. Die Lorscher Tabakpflanzer fühlen sich beim Anblick der Zugtiere im fruchtbaren Tal von Vinales ans heimische Freilichtlabor Lauresham* erinnert. Wohingegen die Kubaner verblüfft die Fotos aus dem Lorscher Mittelaltermodelldorf studieren, dessen Häuser sie für Tabakschuppen halten. – Und schon sind wir mitten drin in der Tabakreise, die sieben Mitglieder des Lorscher Tabakprojektes in der ersten Februarhälfte nach Kuba unternahmen, um dort den Tabakanbau aus eigener Erfahrung kennen zu lernen.

Gleiche Probleme – gleiche Lösungen?
Hintergrund war die Annahme, dass es dabei viele Parallelen gibt und die Neugierde, worin sich Pflege, Ernte und Verarbeitung des Tabaks unterscheiden. „Es gibt kein landwirtschaftliches Produkt, was so anspruchsvoll wie der Tabak ist“, wissen die freiwilligen Tabakpflanzerinnen und –pflanzer. Und auch, dass einem die Pflege, Ernte und Weiterbehandlung des Tabaks das ganze Jahr hindurch beschäftigt. Was wiederum – und das ist der springende Punkt –  fast ausschließlich Handarbeit erfordert, die besondere Sorgfalt und Kenntnisreichtum voraussetzt. Die Probleme und auch deren Lösungen, das erbrachten die Vorrecherchen, sind sich dabei oft verblüffend ähnlich.

Tabak unter Palmen
Ausgestattet mit Sondervisa des kubanischen Kultusministeriums, verbrachte die Gruppe mehrere Tage auf Tabakfeldern in der westlichsten kubanischen Provinz Pinar del Rio, die vor allem für ihren Tabakanbau bekannt ist. 80% des kubanischen Tabaks stammen von dort. Im touristisch gut erschlossenen Valle de Vinales, in dem sich u.a. ein Nationalpark befindet, gibt es jedoch mit Rücksicht auf den Schutz und die Schönheit der Landschaft keine reinen Tabakplantagen. Vielmehr bauen die dortigen Familienbetriebe Mischkulturen an. Der Arbeitseinsatz der Lorscherinnen und Lorscher fand in zwei verschiedenen landwirtschaftlichen Betrieben statt.

Ziegelrote, feinkrümelige Erde, himmelhohe Königspalmen, ein seidig-warmer karibischer Wind, als Kulisse die kolossalen bewaldeten Bergrücken der Mogotes und mittendrin sattgrüne, kräftige Tabakpflanzen empfingen die Deutschen. Der Ausruf „Sieht aus wie Spinat!“ war jedoch auch dem Umstand geschuldet, dass - obwohl einerseits schon (und noch bis etwa April) geerntet wird - Pflanzen in allen Wachstumsstadien zu sehen waren. Und auch im erntereifen Stadium, sind die Tabakstauden dort bedeutend niedriger als bei uns, nämlich maximal 150 cm hoch.

Auf dem Feld
Ernten („bloade“), köpfen und geizen gehörte zur den Aufgaben der Freiwilligen aus Lorsch. Und so manches wird in der Tat anders gemacht. Beispielsweise transportieren die Kubaner die Blätter in breiten, flachen Körben vom Feld. Ihrerseits waren sie höchst erstaunt über unsere Technik des Bündelns der geernteten Blätter mittels Riemen („Bärrebänner“) und stellten sofort die richtige Frage: „Gehen euch dadurch nicht viele Blätter kaputt?“

Auch lernte man die Erntetechnik des „mancuerna“ kennen. Hierbei wird die Pflanze nicht im Laufe mehrerer Wochen hintereinander von unten nach oben abgeerntet. Vielmehr schneidet der Bauer die gesamte Staude auf einmal von oben nach unten ab und trocknet sie mitsamt dem Stängel. Aufgenäht werden muss dabei nichts: die Blattachsen dienen als Halterungen. Denn anders als bei uns bekannt, hängen die Blätter nicht an Schnüren in die Trockenschuppen. Vielmehr werden sie direkt auf Eukalyptusstangen gefädelt (oder eben gesteckt), die in den niedrigen Scheunen eingehängt werden.

Traktor statt Ochsen
Dass die Feldarbeit ausschließlich mit Ochsen verrichtet wird, hat in Kuba hingegen nichts mit Traditionspflege oder - wie im Lauresham – gar mit Experimentalarchäologie zu tun. Die kubanischen Bauern haben schlicht keine Maschinen. Um ihre Arbeit, aber auch den Transport von Personen und Material zu bewältigen, sind die Menschen auf Rinder und auf Pferde angewiesen und bilden ein alltägliches, selbstverständliches und für europäische Augen höchst pittoreskes Miteinander. Trotzdem wird man in Lorsch wohl weiterhin davon absehen, das Ochsengespann David & Darius aus Lauresham zur Tabakernte ausleihen zu wollen, sondern weiterhin den – ebenfalls historischen - alten Bulldog nutzen.

*Das frühmittelalterliche Modelldorf Lauresham gehört zum UNESCO Weltkulturerbe Kloster Lorsch und untersucht die Lebensbedingungen der bäuerlichen Bevölkerung im Frühmittelalter. In unmittelbarer Nachbarschaft dazu und ebenfalls im Welterbe Areal gelegen, befindet sich das Tabakfeld und das Museum des Tabakanbaus im historischen Trockenschuppen.

Wer sich über das Lorscher Tabakprojekt informieren möchte kann das auf der Homepage der Stadt tun unter www.lorsch.de/de/tabak-in-lorsch

Das KULTour-Amt als Initiator der Stadt ist ebenfalls gerne zu Auskünften bereits (Fon 0 62 51.59 67-501 oder KULTour@lorsch.de