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Beim Nächsten Mal mit Mist?

Die Spannung war – das war zu spüren – groß. Erstmals hatten sich die Lorscher Tabakpflanzer beim Fermentieren ihrer Jahresernte versucht. Nicht wirklich freiwillig, wie man sich erinnert. Doch wegen zu geringer Erntemengen war europaweit das industrielle Fermentieren von Tabak eingestellt worden. „Auch unsere Fermentier-Anlage im pfälzischen  Hayna“, so Bernhard Stroick, der Projektleiter, „hat mit dem letzten Jahr aufgehört.“ Also galt es, den berühmten Stier bei den Hörnern zu packen.

Das größte Problem beim Tabak-Fermentieren ist die richtige Hitzeentwicklung  und -verteilung. Denn das Fermentieren ist eine Art Gärprozess, durch den die Tabakblätter Nikotin, Gerbsäure, aber auch Zucker und Eiweiß verlieren. Erst danach ist der Tabak genießbar. Diese Hitzeentwicklung wird normalerweise durch ausreichend Biomasse erreicht: Ist der Haufen groß genug, kommt der Gärprozess in Gang. „Doch unsere Gesamternte beträgt grade mal einen guten Doppelzentner, das reicht nicht“, war den Tabakpflanzern klar. Also setzte man Heizmatten ein, die dem Tabak Hitze zuführten und somit den Gärprozess starteten.

Eine heikle Angelegenheit. Denn die Blättermasse soll z.B. auf keinen Fall und an keiner Stelle über 60° C warm werden. Diese Hitze muss dann gehalten und danach langsam abgesenkt werden. Und natürlich ist so ein Tabakhaufen außen kühler als im Kern, egal, wie groß oder klein er ist. Deshalb musste auch der Lorscher Tabak umgeschichtet werden. Dabei hatte man Buschel entdeckt, die entfernt werden mussten. Denn statt zu fermentieren, waren sie faulig geworden. Die Tabakpflanzer sahen ihre Ernte gefährdet.

Doch als jetzt der Fermentierkäfig zum zweiten Mal geöffnet und der Tabak zum Ablüften ausgesetzt wurde, gab es erleichterte Mienen: „Sieht aus wie Tabak, riecht wie Tabak – gelungen!“ war die einhellige Meinung derer, die aus ihrer Kindheit und Jugend Erfahrung mitbrachten. Und doch denkt man darüber nach, ob oder wie man den Prozess im nächsten Jahr optimieren kann.

Dazu hat man sich auch Rat aus Hayna geholt. Ein Vorschlag lautet, man solle den Tabak beim Fermentieren nicht mit Stroh isolieren, sondern mit Mistlagen ummanteln. Dieser Vorschlag verursachte schon bei der Vorstellung  gerümpfte Nasen. Eine andere Möglichkeit wäre es, die fehlende Biomasse mit Heu zu ersetzen und den Tabak quasi nur als Kern in den Fermentierkäfig einzulagern. Das schien den Lorschern schon  eine bessere Idee. Doch zunächst wird der fermentierte Geudertheimer nach dem Auslüften in die Zigarrenmanufaktur gebracht.

Und an der Lorscher Kerb 2016, wenn die nächste Lorsa Brasil auf den Markt kommt, kann man sich ein Urteil über den Geschmack der ersten Zigarre bilden, die in Lorsch fermentiert wurde.