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Aus Lorschs reicher Waldvergangenheit

Zur Geschichte von Jagd und Forst im Lorscher Wald von 764 bis heute: Eine Ausstellung zu 1250 Jahre Lorscher Wald - Eröffnung am 2. Februar

Die Deutschen und der Wald – das ist eine besondere Geschichte. Immerhin: ein Drittel der bundesdeutschen Fläche ist von Wald bedeckt. Hessen liegt mit 42% über dem Bundesdurchschnitt und alleine der Lorscher Wald umfasst 6500ha. Und er spielt seit seiner ersten urkundlichen Erwähnung 764 bis heute eine bedeutende Rolle.

Einer, der das alles ganz genau weiß, ist Michael Fettel. Mehr noch: Er will sein Wissen teilen und hat dies in eine umfangreiche Ausstellung gepackt, die ab dem 2. Februar den gesamten 1. Stock des Museumszentrums in Anspruch nehmen wird. „Aus Lorschs reicher Waldvergangenheit. Zur Geschichte von Jagd und Forst im Lorscher Wald von 764 bis heute“ heißt die Schau im Jubiläumsjahr 2014, an der derzeit täglich gebaut wird.

Ist der pensionierte Grundschulrektor ein Romantiker? Geht ihm, der auch Jäger ist, bei dem Thema „das Herz auf“? Fettel bleibt das Lachen ein bisschen im Hals stecken: „Nicht mehr“, lautet seine eher nüchterne Antwort. „Dagegen sprechen heutzutage einfach die nackten Tatsachen. Sprach man zu Anfang des 19. Jahrhundert noch von der ‚Ästhetik des Waldes‘, so ist das heute kein Thema! Forstwirtschaft wird heute unter materiellen Aspekten betrieben.

Dabei weiß Fettel sehr wohl, dass schon für die benediktinischen Mönche ihr Wald, den sie vom Klostergründer Kankor bekamen, ein immens wichtiger Wirtschaftsfaktor war. Denn der Lorscher Wald war groß. Und da er – durch alle wechselnden politischen Verhältnisse - immer in öffentlicher Hand blieb, behielt er auch bis heute seine bedeutende zusammenhängende Größe und wurde nicht durch Erbschaften etc. zerstückelt. Zudem war den Besitzern stets klar, dass der karge Lorscher Sandboden keine einträgliche landwirtschaftliche Nutzung hergeben würde. Schließlich wurde 1165 das erste bekannt gewordenen Rodungsverbot verhängt.

Zählt heute eigentlich nur noch der Holzverkauf zu den einträglichen Nutzungen des Waldes, waren die Erträge durch Waldbesitz früher weitaus vielfältiger. Das Weidegangrecht, die Mastnutzung, das Sammeln der Waldfrüchte, die Gewinnung von Harzen, die Köhlerei oder die Lohgerberei zählten zu den sogenannten Nebennutzungsrechten.

Das Jagdrecht hingegen war losgelöst vom Wildrecht. Als der Lorscher Wald 1232 an den Erzbischof von Mainz überging, fiel es diesem zu. Und da man schon im 10.Jh. den Lorscher Wald als Kernstück des kaiserlichen Reichsforstes Forehahi zum Wildbann erklärte, war das wichtige Thema Jagen streng geregelt. „Doch“, so Fettel mit Bedauern, „hieß die Losung noch im 19. Jh. ‚Wild und Wald‘, so heißt es heute klar ‚Wald vor Wild‘.

Die Verwüstungen des Dreißigjährigen Krieges trafen auch den Lorscher Wald. Doch schon ab 1650 wurde Lorsch erneut das Zentrum der Forstverwaltung und blieb es bis 1965. Der Übergang an Hessen markierte den Beginn einer geregelten Forstwirtschaft, noch dazu mit frühen Maßnahmen zur Nachhaltigkeit: Der 1. Lorscher Ehrenbürger, Friedrich Wilhelm Freiherr von Dörnberg, „ein Genie“, wie Fettel sagt, brachte damit Visionäres auf den Weg. In von Dörnbergs Amtszeit als Fortmeister fiel schließlich auch die Erlegung des letzten Wolfes in Hessen 1841.

Warum dieser Wolf garantiert ein französischer war, warum sich die Einhäuser einst selbst einzäunten, warum die Bürstädter arm dran waren und warum der Lorscher Wald bis heute ein wichtiger Lebens- und Wirtschaftsraum ist – das alles erzählt die Ausstellung von Fettel. „Ich möchte den Leuten gerne klar machen, was sie an dem Wald haben. Wir können stolz auf den Lorscher Wald sein. Aber wir alle müssen dafür sorgen, dass er erhalten bleibt!“ 

 

Am Sonntag eröffnet die große Waldausstellung im Lorscher Museumszentrum

Der letzte Wolf ist offensichtlich tot und sein Fell ist räudig. Doch die Zähne im blutrot ausgemalten Maul sind immer noch respekteinflößend und man wäre ihm zu Lebzeiten sicherlich lange nicht so nahe gekommen. Von Dachs, Marder oder Iltis sind nur mehr die knochenweißen Schädelchen in der Vitrine zum Vergleich aufgereiht. Man staunt über deren Feingliedrigkeit und kann sich angesichts der lückenlosen, nadelspitzen Zahnreihen vorstellen, wie die Nager einst alles kurz und klein bekamen. Vom stolzgeschwellten Großherzog Ludwig IV liest man, dass er während seiner Regentschaft „34 kapitale Hirsche“ erlegte. Zwei großäugige, sorgsam präparierte Vertreter dieser begehrten Trophäentiere blicken sanft und ohne rechtes Verständnis für diese für sie ganz offensichtlich tödliche Jagdbegeisterung des Menschen von der Wand herab auf den Besucher. All dies und noch vieles mehr zeigt die Ausstellung „Aus Lorschs reicher Waldvergangenheit. Zur Geschichte von Jagd und Forst im Lorscher Wald von 764 bis heute“, die im Lorscher Museumszentrum am kommenden Sonntag um 14 Uhr eröffnet wird.

Der Kurator, Michael Fettel, hat rund um das Thema Wissenswertes, Kurioses, Beeindruckendes und auch Schaurig-Schönes versammelt. Etwa 250 Exponate sowie 35 Schau- und Schrifttafeln sprechen von der Bedeutung des noch heute etwa 6500 ha großen, zusammenhängenden Waldstückes im hessischen Ried, dem Lorscher Wald. Und diese kurzweilige und facettenreiche Erzählung beginnt - wie der Ausstellungstitel sagt – mit der Lorscher Klostergründung. In der Folge nimmt Michael Fettel die Jagd- und Forstgeschichte unter die Lupe, man kann nachvollziehen, wie der Wald durch die politischen Wechsel immer wieder in neue Hände kam, wieso Lorsch und Worms in Jahrhunderte langem Konkurrenzkampf standen. Dass die Förster ein immer schon besonderer Schlag Menschen waren, davon sprechen viele der alten Fotografien, aber auch prunkvolle und martialische Waffen wie Hirsch- oder Saufänger, Flinten, Revolver und Pistolen, manche gar mit Goldeinlagen im Griff. Und immer wieder ist vom Wald als Wirtschaftsfaktor die Rede, den er seit 1250 Jahren für seine Besitzer darstellt.

Am Sonntag hält Michael Fettel zunächst einen einführenden Vortrag. Danach kann man mit ihm gemeinsam durch die Ausstellung gehen. Den Katalog zur Ausstellung kann man sich am Eröffnungstag vom Kurator signieren lassen. Die Ausstellung ist eine Kooperation der Stadt Lorsch mit dem Heimat- und Kulturverein, deren Mitglied Michael Fettel ist.

„Aus Lorschs reicher Waldvergangenheit. Zur Geschichte von Jagd und Forst im Lorscher Wald von 764 bis heute“;
Kurator: Michael Fettel

Eröffnung am 2. Februar um 14 Uhr mit einem Vortrag von Michael Fettel (Paul-Schnitzer-Saal im MUZ)

Ausstellungsdauer:
02.02. – 27.04.2014; Museumszentrum MUZ, Nibelungenstraße 35; Öffnungszeiten: DI – SO 10-17 Uhr.

Am 01. Februar um 19 Uhr (Vorabend der Eröffnung) „Königshöfe, Forst und Jagd in Beziehung zum Kloster Lorsch“ Vortrag von Prof. Dr. Werner Rösener (Paul-Schnitzer-Saal im MUZ)

Katalog zur Ausstellung 14,50 € 

Flyer